Felizia & Felix


Armin A. Alexander
Felizia & Felix

ISBN 978-3-8391-2382-9
152 S., PB, € 14,90

Zur Bestellmöglichkeit

 

[…]

Er ging ins Wohnzimmer zurück und zum Balkon. Felizia saß in einem kurzen ärmellosen roten Baumwollkleid auf einem Gartenstuhl, die nackten Füße auf den Sitz eines zweiten gelegt, und las in einem Buch. Als sie ihn bemerkte, legte sie das Buch auf den kleinen Tisch neben sich, nahm die Brille ab und rieb sich das Nasenbein.

Als Felix sie so sah, den Blick an ihren langen makellosen nackten Beinen hinunter zu ihren Füßen und den frisch lackierten roten Zehennägeln wandern ließ, durchfuhr es ihn warm, und er hätte am liebsten einen langen und tiefen Seufzer ausgestoßen. Mit dieser Frau wäre er wirklich bereit ALLES zu tun. Da hatte er gegenüber Wolfgang nicht übertrieben.

Felizia musterte ihn mit ihren kurzsichtigen Augen – sie hielt die Brille noch immer in der Hand – und leicht schief gelegtem Kopf. Ihre vollen rotgeschminkten Lippen umspielte ein leises Lächeln.

„Wie fühlst du dich?“ fragte sie zärtlich.

„Auf jeden Fall besser“, erwiderte er und sein Blick ruhte auf ihrem ansehnlichen Dekolleté um dann impulsiv zu sagen: „Felizia, du bist mit einem Trottel zusammen. Ich hoffe, du weißt das.“

Felizia warf lachend den Kopf in den Nacken. Ihr Felix verfiel mitunter von einem Extrem ins andere.

Felix fühlte sich nicht ernst genommen und zog pikiert eine Schnute.

„Felizia, nur ein Trottel kann annehmen, daß du an anderen Männern interessiert bist“, fuhr er in leicht unglücklicher Wortwahl vor.

„Ich habe ja nie gesagt, daß ich an anderen Männern interessiert bin“, erwiderte sie ernster und setzte die Brille wieder auf. Es strengte sie an, länger ohne sehen zu müssen. Dazu war sie zu kurzsichtig.

„Hast du auch nicht“, beeilte er sich zu versichern, „das ist mir gestern beim Gespräch mit Wolfgang klar geworden.“

„Und mir ist klar geworden, daß ich mich denkbar unglücklich ausgedrückt habe“, entschuldigte sie sich.

„Ich glaube, wir sollten es dabei belassen, daß wir beide uns mißverständlich verhalten haben“, meinte er großmütig, denn er verspürte wenig Lust die Peinlichkeit weiterzuerörtern und womöglich noch zu verschlimmern.

„Es gibt nur einen Mann, den ich will, und das bist du, Felix“, sagte sie ruhig und sah ihn fest an.

„Und ich will nur dich, Felizia“, erwiderte Felix mit einer gewissen Feierlichkeit.

„Dann sind wir uns ja einig“, meinte sie mit einem zufriedenen Lächeln.

Sie sahen sich eine Weile schweigend an.

„Du würdest gerne deine Phantasien mit mir gemeinsam umsetzen“, sagte Felix.

„Ja, Felix. Sie sind mir wichtig. Auch das ist mir mittlerweile klar geworden. Nicht nur du hattest gestern ein ausführliches Gespräch.“

Felix nickte, fragte aber nicht nach. Sie würde ihm schon davon berichten, sobald sie es für angebracht hielt.

„Möchtest du jetzt schon etwas davon umsetzen, Felizia?“ fragte Felix mit leicht zitternder Stimme.

Felizia überlegte einen Augenblick, dabei sah sie an ihm vorbei, und schüttelte schließlich den Kopf.

„Nicht jetzt, wir wollen erst in Ruhe darüber sprechen und nur, wenn du es auch wirklich möchtest“, sagte sie diplomatisch.

Felix spürte, daß diese Antwort sie überwindung gekostet hatte und es nicht ihren tatsächlichen Wünschen entsprach. Sie wollte um jeden Preis vermeiden, daß er das Gefühl bekam, er hätte sich überreden lassen.

„Ich glaube, ich würde die Dinge, die du mir erzähltest, schon jetzt gerne mit dir machen“, sagte er und erinnerte sich, wie er gestern großspurig gegenüber Wolfgang getönt hatte, daß er WIRKLICH ALLES mit Felizia machen würde und niemand außer ihm würdig sei vor ihr im Staub zu kriechen. Daran hatte sich nichts geändert, aber die Aussicht, bisher unbekannte Gefilde zu betreten, verunsicherte ihn ein wenig. Obwohl er im tiefen Inneren überzeugt war, daß Felizia nie etwas mit ihm tun würde, daß ihm auf irgendeine Weise Schaden zufügen könnte.

Felizia schwieg unentschlossen. Sie fürchtete immer noch, daß Felix aus einem Schuldgefühl heraus glaubte, ihr einen Gefallen tun zu müssen.

„Doch, ich glaube, es wäre gut, wenn wir gleich damit beginnen“, fuhr Felix fort, der wenig Neigung verspürte noch irgend etwas hinauszuzögern. Er wollte Felizia unbedingt zeigen, daß es sich nicht um voreilige Lippenbekenntnisse seinerseits handelte.

Felizia entspanntes Lächeln bestätigte ihm, daß sie nur zu gerne ihre Phantasien in die Tat umsetzen würde.

„Gut, Felix, vermutlich hast du recht“, sagte sie überzeugt. „Warte einen Moment hier.“

Felizia stand auf und schritt würdevoll an ihm vorbei ins Schlafzimmer. Sehnsüchtig sah er ihr nach.

Felix lehnte sich rücklings an die Fensterbank. Er war gespannt, was Felizia vorhatte.

Ein wenig wunderte er sich darüber, daß er bisher nie das Bedürfnis verspürt hatte, Felizias sexuelle Wünsche bedingungslos zu erfüllen, dabei gefiel ihm die Vorstellung ausnehmend gut, sich von ihr ‚führen‘ zu lassen. Er dachte sogar daran, daß es für einen Mann doch ein besonderes Erlebnis sein müsse, sich von einer Frau wie Felizia sexuell ‚benutzen‘ zu lassen. Wie er es auch drehte und wendete, er schien zur selben Zeit, als Felizia ihre dominanten, seine devoten Neigungen zu entdecken. Oder hatte er lediglich erkannt, daß das die beste Art war, Felizia die Bewunderung und Verehrung die er für sie seit sieben Jahren empfand, zu zeigen?

Bevor Felix zu irgendeiner Lösung dieser Frage kam, betrat Felizia wieder das Wohnzimmer. Sie blieb etwa zwei Schritt vor ihm leicht breitbeinig stehen, die Hände in die Hüften gestemmt.

Daß sie sich umziehen wollte, hatte er bereits vermutet und doch war er angenehm überrascht als er sie sah. Felizia hatte zwar lediglich eine enge weiße Bluse und einen kurzen schwarzen Lederrock, den sie sich vor einiger Zeit gekauft hatte aber nur selten trug, hautfarbene zarte Nylonstrümpfe und Riemchensandalette mit sehr hohen Absätzen angezogen, aber die Wirkung war dennoch atemberaubend. Felizia war zwar bewußt, daß eine Domse im leichten Baumwollkleid und auf nackten Füßen durchaus überzeugend wirken konnte, aber sie selbst hätte sich darin nicht wie eine gefühlt. Andererseits gab ihre Garderobe – noch – nicht allzuviel überzeugendes her. Doch für den Anfang mußte es reichen. Letztlich war alles nur eine Frage des Auftretens. Sie hatte die Brille bis auf die Nasenspitze geschoben und blickte Felix streng über deren Rand an.

„So, mein Guter und jetzt ziehst du dich aus“, wunderte sie sich, wie leicht ihr die Strenge über die Lippen ging.

Felix blickte sie fasziniert an. Diese neue Seite an Felizia gefiel ihm bereits jetzt.

„Felizia, du siehst total scharf aus“, entfuhr es ihm begeistert.

„Spricht man so mit seiner Herrin“, fuhr sie ihn an und fühlte, wie es ihr Spaß machte.

„Nein, natürlich nicht“, stotterte er erschrocken, was nicht gespielt war.

Felizia hatte bisher noch nie in diesem Tonfall mit ihm gesprochen.

„Nein, natürlich nicht“, äffte sie ihn nach. „Das heißt: ‚Nein, Gebieterin.‘ Hast du verstanden?“

„Nein, ich meine ja, Gebieterin.“

Felix erkannte langsam, daß seine Aussage, er würde ALLES mit Felizia tun mehr als nur ein vollmundiges Versprechen war. Sein Herz schlug vor Freude schneller. Er würde nichts lieber machen als ALLES tun, was Felizia von ihm verlangte.

Felizia entging Felix’ Bereitschaft nicht, und ein warmes lustvolles Gefühl des Begehrens nach diesem Mann durchströmte sie. Sie verstand selbst nicht mehr, warum sie sich ihre Phantasien nicht ihm hatte vorstellen können.

[…]

 

Fenster schließen